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Mein aktueller Tipp:
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Eine interessante Begebenheit, wie ich finde!!

Klaus Müller

VON ROSTOCK IN DIE FREIHEIT



Mecklenburgische Demokraten retten
Gottfried Kinkel und Carl Schurz
vor der Verfolgung

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Spannende Mitteilung

Am Freitag, dem 8. November 1850 frühmorgens kurz vor acht wurde der Rostocker Advocat Moritz Wiggers in seiner Schlafkammer in der Koßfelder Straße 22, vis-a-vis des heutigen "John-Brinckman-Kellers", aus dem Morgenschlummer gerissen. Der Störenfried war Dr. Karl August Petermann aus Strelitz, ein Freund und früherer Landtagskollege. Mit hastigen Worten berichtete Petermann, dass er nach nächtlicher überlandfahrt in einer Pferdekutsche zwei Flüchtlinge, von denen einer aus dem preußischen Zuchthaus Spandau ausgebrochen sei, vor der Stadt an der Neubrandenburger Chaussee im Gasthaus "Weisses Kreuz" zurück gelassen habe, die nun dringend Hilfe benötigten. Wiggers sprang sofort aus dem Bett.

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Bild 1 - Im dritten Haus von links (Nr. 22) wohnte Moritz Wiggers

Nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution 1848/49 war schon über ein Jahr vergangen. Bei den Rostocker Demokraten galt es nun aber als lustvolle Revanche für die eigene Niederlage, den von der Reaktion Verfolgten beizuspringen und sie vor dem Zugriff zu bewahren. Diese menschliche Haltung führte bei Erfolg zu Glückserlebnissen, von deren Tiefe wir im "Just-for-fun-Zeitalter" nur eine schwache Ahnung haben.

Deutschland nach der 48/49er Revolution

Was war in welchem politischen Umfeld geschehen?

Im Frühjahr des Jahres 1848 hatten sich bürgerliche Revolutionäre, angeregt von den Pariser Februarereignissen, über Aachen und Köln bis nach Berlin und Wien, von den feudalen Machthabern im Deutschen Bund beträchtliche Zugeständnisse ertrotzt. In Berlin und in Wien geschah das mit blutiger revolutionärer Gewalt.

Auch in Rostock kam es zu leichten Unruhen. Der verängstigte Großherzog in Schwerin, der Landesherr, genehmigte nun, einen verfassungsgebenden Landtag einzuberufen, dessen erster Präsident jener so grob aus dem Morgenschlummer gerissene Advocat Moritz Wiggers geworden war.

Im Herbst des Revolutionsjahres 1848 hatten die mächtigsten Reaktionäre im Deutschen Bund, der Habsburgische Kaiser in Wien und der Hohenzollern-König in Berlin, ihren Schock überwunden und schlugen mit militärischer Gewalt zurück. Nachdem der General Wrangel im November 1848 mit 40.000 Soldaten in Berlin einmarschiert war, beendete das preußische Militär im darauf folgenden Jahr 1849 die demokratischen Regierungsansätze in Sachsen, in der Rheinprovinz und in Baden. Jetzt begann die siegreiche Reaktion mit einer Kette von Straf- und Hochverratsprozessen gegen die Demokraten. Viele von ihnen waren jedoch bereits ins Ausland, zumeist in die USA entwischt, wo sie nicht wenig Anteil am unaufhaltsamen Aufstieg dieser einstigen englischen Kolonie zur modernen Weltmacht nahmen.

Im recht verschlafenen Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin dauerte das Wirksamwerden der Reaktion etwas länger. Doch dann schlugen auch hier, wie wir bald erfahren werden, die alten Mächte unbarmherzig zu.

Unsere Hauptakteure

Doch bevor unsere abenteuerliche Geschichte weitergeht, wollen wir einen kurzen Blick auf die Biografien unserer rheinischen und mecklenburgischen Akteure werfen.

Moritz Wiggers wurde 1816 in Rostock geboren. Er stammte aus einer alten Rostocker Familie, die viele Juristen und Theologen hervorgebracht hat. Nach dem Schulbesuch und einem erfolgreichen Jura-Studium am Orte, ließ er sich 1846 in Rostock als Advocat und Notar nieder. Zum demokratischen Bürgertum gehörend, stand er im April 1848 im Reformverein und im Herbst des Revolutionsjahres bei der Wahl zum konstitutionellen (verfassungsgebenden) Landtag in Schwerin an vorderster Stelle, wurde auch zu dessen erstem Präsidenten gewählt. Wie bereits erwähnt, traten Fortschritt und Reaktion in Mecklenburg immer etwas zaghaft und verspätet auf, so konnte Moritz Wiggers noch im März 1850 in den neuen ordentlichen Landtag wiedergewählt werden. Im Sommer 1850 löste der Großherzog den Landtag durch den Freienwalder Schiedsspruch auf. Wiggers blieb aber noch als Anwalt in Rostock tätig.


Bild 2 -
Moritz Wiggers

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Bild 3 -
Dr. Karl Petermann


Der andere mecklenburgische Protagonist unserer Begebenheit, Karl August Petermann, wurde 1809 in der entzückenden Kleinstadt Waren an der Müritz geboren. 1827 schloss er in Neustrelitz das Gymnasium erfolgreich ab. Nach dem Jura-Studium an der mecklenburgischen Landesuniversität in Rostock wurde er Ratsherr und Stadtrichter in dem Flecken Wesenberg und endlich 1847 Stadtrichter in der Residenzstadt Strelitz. Als Führer der Demokraten im winzigen Zwergstaat Mecklenburg-Strelitz machte sich Petermann viele Feinde. Wenige Wochen nach dieser Geschichte enthob die Obrigkeit ihn seines Amtes auf Grund einer Denunziation. Er starb 1866 in Alt-Strelitz.




Bald wird uns eine wichtige Persönlichkeit begegnen, die sich zwar politisch zurückgehalten hatte, die aber mit ihrem Ansehen und Vermögen zum glücklichen Ausgang des folgenden Abenteuers einen gewichtigen Teil beigetragen hat. Es ist dies der Großkaufmann und Reeder Ernst Brockelmann aus Rostock. Er wurde 1797 in der mecklenburgisch-strelitzschen Enklave Ratzeburg geboren und starb nach einem bilderbuchhaften bürgerlichen Erwerbsleben, 82-jährig, im Jahre 1879 in seiner Villa vor dem Mühlentor in Rostock.

Seine Unterstützung für die Demokraten entsprang seiner Grundhaltung, die ihn die Ideale von Freiheit und Demokratie höher stellen ließ als seinen Eigennutz und sein Gewinnstreben.

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Bild 4 - Ernst Brockelmann

Der Freiheitsdichter Gottfried Kinkel, dessen Befreiung der Anlass unserer ganzen Geschichte war, wurde 1815 in Oberkassel bei Bonn in einer evangelischen Pastorenfamilie geboren. 1845 berief die Bonner Universität ihn zum Professor für Literatur und Kunstgeschichte. Kinkel schrieb romantische und vom freiheitlich-patriotischen Geist getragene Epen und Gedichte, die ihn in den demokratischen Kreisen des Vormärz einen klangvollen Namen erwerben ließen. Gottfried Kinkel, Anfang Dreißig, war von herculischer Gestalt, galt als ausgesprochen schöner Mann und konnte so auf viel Zuspruch hoffen, wenn er seine Freiheitsgedichte einem oftmals nicht mehr ganz nüchternen Auditorium aus weiblichen und männlichen Revolutionären vortrug. Nach dem Ausbruch der Revolution 1848 stellte er sich selbstverständlich sofort in deren Dienst. Bei der Kapitulation der badischen Festung Rastatt fiel Gottfried Kinkel verwundet den Preußen in die Hände. In einem eilig durchgeführten Hochverratsprozess wurde er zum Tode verurteilt, dann zu lebenslänglicher Festungshaft begnadigt, die aber von höchster Stelle zu Zuchthaus verschärft wurde.

Zwischen Zuchthaus und Festungshaft bestand ein grundlegender Unterschied. Festungshaft wurde für politische Vergehen oder für unerlaubte Zweikämpfe, zumeist gegen Mitglieder der gebildeten Stände verhängt. Festungshaft galt, im Gegensatz zur Zuchthausstrafe, nicht als "entehrend". Der Verurteilte durfte die Festung nicht verlassen, musste sich der militärischen Disziplin unterwerfen. Er wohnte in den Kasernenunterkünften der Festung, bei schwerer Festunghaft in den Kasematten. Der Häftling trug seine eigene Kleidung und wurde mit Namen und allen seinen Titeln angesprochen. Auf eigene Kosten durfte er sich von außerhalb kulinarische, geistige, aber auch Liebeserquickungen kommen lassen. Zuchthaus war die Strafe für ehrlose Verbrechen, auf die nicht die Todesstrafe stand. Die Insassen von Zuchthäusern wurden als Nummern angesprochen und behandelt, sie trugen grobe Zuchthauskluft und konnten bei Disziplinverstößen gezüchtigt werden.

Solch eine Strafe sollte Kinkel im Zuchthaus Spandau bei Berlin verbüßen.

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Bild 5 - Kinkel und Schurz

Carl Schurzens Jugend

Unser Hauptakteur, Carl Schurz, wurde 1829 als Sohn des Verwalters auf der Burg Gracht in Liplar bei Köln geboren. 1839-47 besuchte er das Gymnasium in Köln. Anschließend begann Schurz ein Jura-Studium an der Bonner Universität, wo er sich mit Professor Kinkel anfreundete. Im Revolutionsjahr 1848 war Schurz mit vielen anderen Kommilitonen und der progressiven Professorenschaft der rheinischen Universitäten in und um Bonn rege tätig. Er traf hier auch einmal auf einer Versammlung mit dem damals 30-jährigen Karl Marx zusammen, der ihn aber wegen seiner Besserwisserei wenig beeindruckte. Im Frühjahr 1849 hatte das preußische Militär der Konterrevolution in der Rheinprovinz zum Sieg verholfen. Nur in der Pfalz und in Baden hielten die deutschen Revolutionäre noch einen Zipfel der Macht in Händen. Schurz wanderte also den Rhein aufwärts über Mainz, Kaiserslautern, Landau, Karlsruhe in die Festung Rastatt, wo er am 30. Juni eintraf. Kinkel hielt sich bereits in der Festung auf.

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Bild 6 - Kapitulation der Festung Rastatt

Hier wurde der forsche junge Mann, nachdem ihm die provisorische Regierung von Baden ein Leutnantspatent verliehen hatte, zum Adjudanten des Kommandeurs der Festungsartillerie ernannt. Wenige Wochen später hatten die Preußen aber die Festung eingeschlossen und forderten sie zur kampflosen übergabe auf. Um zivile Opfer unter den Bewohnern der Stadt zu verhindern, kapitulierte der Kommandant nach einer ersten Beschießung durch schwere Artillerie, am 23. Juli 1849 vor den Preußen. Für Schurz entstand damit eine kreuz gefährliche Situation. Er wäre als wehrfähiger Einwohner der preußischen Rheinprovinz von den Preußen als Militärverräter behandelt und unter Umständen standrechtlich erschossen worden. Carl Schurz fasste den Entschluss, sich der Gefangennahme zu entziehen.

Durch einen Abflusskanal, der die Festung mit dem Flüsschen Murk verband, entkam Schurz in die in den Rheinauen gelegenen Dörfer, wo er sich fünf Tage in Scheunen und Ställen verborgen hielt.

Endlich am 29. Juli glückte ihm vom Dorf Steinmauren aus die überwindung der Rheingrenze ins französische Elsass.

Weiter Rhein aufwärts wandernd, gelangte Schurz über Strassburg, bei Basel erneut über eine Grüne Grenze pirschend, ins schweizerische Zürich.

Erfreulicherweise war vor der Kapitulation der Festung Rastatt noch die Löhnung ausgezahlt worden, auch nagten Schurzens Eltern nicht am Hungertuch, konnten ihrem Sohn also den einen oder anderen Obolus zukommen lassen, sodass unser Flüchtling in der Fremde nicht das bittere Los anderer mittelloser Emigranten teilen musste. Im Februar 1850, Schurz hatte den Herbst und Winter über fleißig mit Freunden und Bekannten in Deutschland korrespondiert, erfuhr er durch die Gattin des Freiheitsdichters von der Anklage der Militärjustiz gegen Kinkel.

Als der Lenz seinen bunten Blumenteppich über die alemannischen Gaue ausbreitete, machte sich unser geschlagener Revolutionär auf den Weg ins heimische Bonn. Gegen ihn war mittlerweile ein Steckbrief erlassen worden. Offensichtlich zeigte sich aber die Obrigkeit vor 150 Jahren nicht sonderlich effektiv bei der Suche nach Leuten, derer sie habhaft werden wollte.

Nach einer Etappe von Basel nach Frankfurt auf der Oberrheinischen Eisenbahn und einer Wanderung über das Taunus-Gebirge, erschien unser Held Ende März 1850 unvermittelt bei seinen Eltern in Bonn, was zu großer Freude im Hause Schurz Anlass gab. Bald darauf wurde mit Frau Johanna Kinkel bereits ein Befreiungsplan für ihren Gatten entworfen. Im April reiste Schurz über Köln, Aachen, Brüssel nach Paris, wo er überall mit den alten, nun aber in ihre Nischen zurückgekehrten Revolutionären Verbindung aufnahm. Er blieb vier Wochen in Paris und kehrte dann noch einmal nach Bonn zurück, wo ihn Johanna Kinkel mitteilte, dass sie nun eine beträchtliche Summe Geldes zur Befreiung ihres Mannes aus dem Zuchthaus Spandau zusammengebracht habe, das bei einem Vertrauten in Berlin deponiert sei.

Kinkels Befreiung

Am 11. August 1850 traf Schurz, unter dem Pseudonym Heribert Jüssen, in Berlin ein und nahm in der Studentenbude zweier ehemaliger Kommilitonen in der Markgrafenstraße vorübergehend Quartier. Tage später weihte er den Moabiter Arzt Dr. Falkenthal in seinen Befreiungsplan ein, wohnte nun auch bei ihm. Falkenthal vermittelte die Verbindung zu dem Spandauer Ratsherrn und Gastwirt Krüger, dem dann ein wichtiger Part bei der Befreiung Kinkels zugedacht wurde. Oft nach Spandau fahrend nahm Schurz Mithilfe jenes Gastwirtes Kontakt zu verschiedenen Schließern des dortigen Zuchthauses auf. Unter Hingabe mehrerer Zehn- und Zwanzigtalernoten, was damals ein Monatssalär für niedere Staatsbedienstete darstellte, ließ er über jene Leute seinem Mentor Kinkel einige Kassiber sowie kräftigende, die karge Zuchthauskost bereichernde Lebensmittel zukommen. Für eine Mittäterschaft bei dem geplanten Ausbruch erschienen diese Männer Schurz jedoch nicht geeignet. Er hielt es nun für angebracht, einige Zeit in Hamburg zu verbringen. Ende September nach Berlin zurückgekehrt, gelang es ihm, wiederum Mithilfe Krügers, die Bekanntschaft des Schließers Brune zu machen. Dieser erschien Schurz vertrauensvoll.


13.jpg - 35304 Bytes Bild 7- Kinkel in Ketten

Brune war ein stolzer und aufrechter Mann, der sich nach kurzer Bedenkzeit zur aktiven Mittäterschaft entschloss. Er sollte eine beträchtliche Geldsumme erhalten, die ihm später in seiner westfälischen Heimat, Brune stammte aus Soest, mit seiner Familie eine Existenzgründung Gewähr leisten sollte.

Der Ausbruch wurde für die Nacht vom 5. zum 6. November geplant. Der Gastwirt Krüger vermittelte Schurz jetzt die Bekanntschaft mit dem demokratisch gesonnenen Gutsbesitzer Hensel, der das Fluchtgefährt und die Pferde bereitstellen sollte, was der dann auch gern tat. Schurz erinnerte sich nun des Rostocker Abgeordneten Moritz Wiggers, den er während einer Demokratenzusammenkunft in Braunschweig kennen und schätzen gelernt hatte.

Daraufhin plante er das Außerlandesgehen über See vom damals recht ruhigen, eher abgelegenen Rostocker Hafen aus. Mitte Oktober unternahm Schurz eine Reise nach Mecklenburg, um die Relaisstationen der Fluchtroute festzulegen und mit den mecklenburgischen Sympathisanten und potenziellen Helfern in Kontakt zu treten. An den Relaisstationen sollten die Pferde gewechselt werden, man mutete den Tieren höchstens vier Landmeilen (ca. 28 km) im Stück zu.

Am 4. November 1850 reist Schurz wieder nach Spandau. Jetzt soll das Befreiungswerk umgehend beginnen. Brune, dem wichtigsten Helfer, wird das versprochene Geld übergeben, was der mit den Worten quittiert: "Ich hätt's auch wirklich ohne das getan. Morgen um Mitternacht ist ihr Freund Kinkel ein freier Mann!" Der erste Ausbruchsversuch in der Nacht vom 5. zum 6. November scheitert an den Unwägbarkeiten des Zuchthausbetriebes und an den unsachgemäß gefertigten Nachschlüsseln. Die um Mitternacht vor dem Zuchthaus teilweise bewaffnet wartenden Fluchthelfer harren vergebens. Gegen Morgen, als das Scheitern klar ist, fahren Hensel und Schurz die Relaisstationen ab, um Verdächte zu zerstreuen. Erst am Nachmittag des 6. kehrten beide wieder nach Spandau zurück.

Brune, völlig verzweifelt, verspricht für die kommende Nacht einen weiteren Versuch. Er will Kinkel mittels Seil aus einer Dachluke des Zuchthauses herausbringen. Es wird also schnellstens ein entsprechendes Seil beschafft und von Brune, der es sich um den Leib wickelt, in die Anstalt geschmuggelt. Bedenken von Schurz, betreffs der stornierten Pferderelais-Stationen, zerstreut Hensel: "Ich fahre Sie, so weit meine Pferde laufen können".

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Durch einen glücklichen Zufall feiert an diesem Abend einer der Zuchthausbediensteten im Krügerschen Gasthaus ein Jubiläum. Krüger verspricht, die Feier mit viel Bowle und Schnaps sowie lauten Gesängen zu einer ausgelassenen Sauferei zu steigern. Gegen Mitternacht bricht Brune Kinkels Zelle mit einer schweren Axt auf, da der verbesserte Nachschlüssel erneut versagt hat, und geleitet den Freiheitsdichter zu jener Dachluke, welche nun, trotz nächtlicher Finsternis, die Freiheit verheißt. Das Seil wird ausgerollt und befestigt. Kinkel muss an dem Seil in die Tiefe hangeln, was ihm, der fast anderthalb Jahre ohne körperliche Ertüchtigung und bei spartanischer Kost gehalten, die höchste Anspannung sei ner Kräfte abfordert. Ein Schwarm von Dachziegeln prasselt auf die vor dem Zuchthaus verlaufende Straße. Doch Hensel prescht gerade mit der Pferdekutsche heran und übertönt mit dem Rasseln der Eisen beschlagenen Räder auf dem Kopfsteinpflaster jedes andere Geräusch in der Umgebung. Kinkel steigt ein und ist frei. In Schurzens Zimmer im Krügerschen Gasthaus wird Kinkel schnell umgekleidet und verbunden. Er hatte sich beim Heruntergleiten an jenem Fluchtseil die Handflächen arg lädiert. Im Festsaal des Gasthauses grölen noch die Zuchthausbediensteten, als Schurz und Kinkel, Hensel auf dem Kutschbock, durch das Potsdamer Tor im scharfen Trab in Richtung Süden aus Spandau hinausfahren.

Flucht nach Rostock

Kurz hinter Spandau bog Hensel mit dem Gespann nach rechts in die Nauener Chaussee in Richtung Westen ein. Dieser Umweg sollte, als listige Irreführung, die Verfolger auf den Gedanken bringen, dass die Flüchtlinge über die großen deutschen Nordseehäfen, Hamburg oder Bremen, zu entwischen suchten. Vor dem Kleinstädtchen Nauen schwenkte Hensel erneut nach rechts in einen Landweg ein. Hensel kannte hier jeden Baum und jeden Stein, immerhin besaß er hier seine Klitsche. Der Weg führte über Nieder-Neuendorf und Hennigsdorf auf die Berlin-Strelitzer Chaussee, die heutige B 96. Beim "Sandkrug", nahe Birkenwerder, führte die Fluchtroute dann in Richtung Norden auf die nahe gelegene Grenze von Mecklenburg-Strelitz zu. Das Pferdegespann jagte im scharfen Trab durch Oranienburg, Teschendorf, Löwenberg nach Gransee. Dort legte Hensel, gegen sechs in der Frühe, nach 64 Kilometern in sechs Stunden, die erste kurze Rast ein, da die Pferde zusammenzubrechen drohten. Gransee gehörte aber noch zu Preußen, Hensel trieb seine Pferde erneut an, um die letzten elf Kilometer bis zur Grenze schnellstens zu bewältigen. Die Sonne war gerade aufgegangen, da erreichten die Flüchtlinge Dannenwalde, die erste Station in Mecklenburg-Strelitz. Hensel gönnte seinen Tieren eine halbstündige Rast, ließ sich vom Gastwirt warmes Wasser bereiten und wusch damit den dampfenden Rössern die schweiß-triefenden Leiber. Weiter ging es bis Fürstenberg, hier verweilte das Gespann eine ganze Stunde, die Pferde waren nach 87 Kilometern fast am Ende. Noch hatten sie aber 24 Kilometer vor sich, ehe die nächste Möglichkeit zum Pferdewechsel war. Endlich, gegen 13 Uhr nach 111 Kilometern scharfen Trabes, trafen die Flüchtenden in Strelitz ein und suchten stehenden Fußes ihren Freund und Helfer Dr. August Petermann auf. Der ließ in seiner unbändigen Freude sofort ein Festmahl ausrichten. Strelitz war zwar die Residenzstadt eines souveränen deutschen Kleinstaates, doch dass die Weltgeschichte dieses Städtchen in Person des auf der Flucht befindlichen Freiheitsdichters Kinkel so kräftig anhaucht, schmiss Dr. Petermann fast vom Schemel. Gegen 15 Uhr, Petermann hatte für die weitere Flucht ein neues Gespann beschafft, verließ man Strelitz. Hensel blieb noch dort bis sich seine Pferde erholt hatten, um dann in sein märkisches Dorf zurückzukehren. Eines der beiden Pferde berappelte sich aber nicht mehr, es musste den Weg zum Schinder antreten. Beim "Tannenkrug", nahe Neubrandenburg, waren keine frischen Pferde zu erlangen, man musste also in die Stadt hineinfahren, wo Petermann neue Rösser zu beschaffen wusste, ohne dass die Flüchtlinge den Wagen hatten verlassen müssen. Die neuen Pferde brachten das Gespann über Stavenhagen und Malchin nach Teterow, wo es in der Nacht gegen halb zwei eintraf.

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Das war wieder eine mörderische Etappe von 56 Kilometern in sechseinhalb Stunden. Petermann klopfte den mit ihm befreundeten Zimmerermeister Zingelmann aus dem Schlaf. Mitten in der Nacht beschaffte dieser frische Pferde für die letzte 45 Kilometer lange Etappe, während sich die Männer mit einem starken Kaffee wach hielten. Gegen zwei Uhr ging die Flucht weiter. Sie führte über Laage nach Rostock, wo Schurz und Kinkel mit Dr. Petermann am 8. November 1850 um halb acht im Gasthaus "Weißes Kreuz" anlangten.

Ankunft in Rostock

Während sich die beiden Flüchtlinge in einem Nebenraum des Gasthauses von den Strapazen der Flucht erholten, hier wurde bis zum Abriss des Gebäudes noch stolz auf eine "Kinkelecke" verwiesen, ging Petermann zu Fuß nach Rostock. Er wollte den Advocaten Moritz Wiggers, der bis dahin zwar als Freund und Gesinnungsgenosse, doch nicht als Eingeweihter galt, um Hilfe zu ersuchen. Wie bereitwillig Wiggers dies tat, weiß der Leser bereits aus den ersten Zeilen des Berichts. Ganz in Wiggers Nähe, Harte Straße 11, wohnte dessen Freund, der Kaufmann Bluhme. Dieser wurde gebeten, schnellstens eine Droschke zu besorgen und damit zum Gasthaus "Weißes Kreuz" nachzukommen. Wiggers und Petermann schritten schon strammen Schrittes durch die Altstadt und über den Mühlendamm voraus. Die beiden Flüchtlinge hatten sich die Namen Kaiser und Hensel zugelegt, stellten sich auch Wiggers so vor. Der erkannte aber Kinkel sofort, weil dessen Antlitz in Demokratenkreisen aus einschlägigen Druckschriften bekannt war.

14.jpg - 26245 Bytes Bild 8 - Gasthaus "Weißes Kreuz" um 1905

Besonders Schurz wurde für seine Courage bewundert: "Was - Sie waren Offizier in der badischen Revolutionsarmee und wagten sich nach Spandau? Die Kugel war Ihnen gewiss, wenn man Sie gefasst hätte", sagte Wiggers erstaunt. Jetzt traf auch Bluhme mit der Kutsche ein. Wiggers spendierte eine Lage Eiergrog, der den Rheinländern so köstlich mundete, dass Schurz sich in seinen um 1880 niedergeschriebenen Erinnerungen noch höchst lobend darüber äußerte. Der Stadtrichter Petermann, den die Freude über den geglückten Ausbruch von seinen Gerichtsakten hinweg gerissen hatte, verabschiedete sich nun eilig. Er vertraute Kinkel und Schurz den Rostocker Freunden an und fuhr zurück nach Strelitz. Bluhme brachte die beiden in der bereitgestellten Droschke über die Dörfer um Rostock herum nach Warnemünde, wo er sie unter ihrem Pseudonym in "Wöhlerts Gasthaus" einquartierte, dem heutigen "Haus des Sports", Am Strom, Ecke Rostocker Straße. Es war um 1850 nicht einfach von Rostock nach Warnemünde zu gelangen. Die meisten Leute benutzten den Wasserweg auf der Unterwarnow. Eine Pferdekutsche musste notgedrungen die Landstraße über Diedrichshagen nehmen, da der Schmarler Uferpfad nach Warnemünde nur zu Fuß und das auch nur bei günstigem Wetter benutzbar war. Am Abend dieses denkwürdigen Freitags traf Bluhme wieder in Rostock auf der Koßfelderstraße bei Moritz Wiggers ein. Er berichtete über die glückliche Unterbringung der beiden Freunde in Warnemünde. Nun stellte sich unerbittlich die wichtigste Frage: Wie sollen die Flüchtlinge außer Landes gebracht werden? Die Schifffahrtssaison, in der man eventuell mit einem Fischerboot nach Dänemark hätte übersetzen können, war vorbei. Vor Warnemünde lag eine große Rostocker Brigg, für London bestimmt, auf Reede und wartete auf den Rest ihrer Ladung, die sie wegen ihres Tiefganges nicht an der Pier übernehmen konnte. Das Schiff kam aber nicht infrage, weil die Vielzahl seiner Eigner (Korrespondenzreeder), die alle eingeweiht werden müssten, die Konspiration nicht gewährleistet hätte. Wiggers entschloss sich, den Großkaufmann und Reeder Ernst Brockelmann um Unterstützung anzugehen.

Ein Demokrat fasst einen Entschluss

Als Ernst Brockelmann am Samstagmorgen durch Wiggers von der Heldentat des Studenten Schurz erfuhr, brach er in die Worte aus "Das ist ja ein Prachtkerl!" Er sagte sofort seine tätige Hilfe zu. Was veranlasste einen erfolgreichen Kaufmann zu dieser uneigennützigen Tat? Immerhin riskierte Brockelmann Freiheit und Vermögen, die eigentlichen Ziele bürgerlichen Strebens. Vielleicht kam den erfolgreichen Reeder das Gefühl an, dass Reichtum allein die langweiligste Sache von der Welt ist? Zuerst sollten Schurz und Kinkel in der Brockelmannschen Villa einquartiert werden. Es wurde verabredet die beiden mit einer Lotsenjolle über den Breitling zu setzen und bei Krummendorf anzulanden. Brockelmann sollte sie von dort im verdeckten Wagen in sein Haus bringen. Wiggers begab sich sofort wieder nach Warnemünde. Gegen Mittag erreichte er den Weg, der dicht hinter der Düne zu dem Fischerdorf hinführte. Kinkel und Schurz machten dort gerade einen Spaziergang durch die Dünen. Der jüngere sah zum ersten mal in seinem Leben das Meer, das der steife Nordost bei strahlendem Sonnenschein mit unzähligen weißen Schaumköpfen krönte. Die beiden Landratten aus dem Rheinland, einer Dichter von Beruf, schwärmten hier in höchsten Tönen von der Schönheit der rauen Natur, speziell der See. Sie vergaßen fast ihre gefährliche Lage. Zurück in "Wöhlerts Gasthaus" nahmen die drei Protagonisten unseres Heldenstückes ein kräftiges Mahl ein.

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Bild 9 - Warnemünde, von Bauhofe aus gesehen, um 1845
(am linken Bildrand: "Wöhlerts Gasthaus")

Pünktlich um halb Vier stellte sich der Warnemünder Lotse ein, der mit seiner Jolle den Törn nach Krummendorf durchführen sollte. Vor dem Gasthaus, bei der so genannten "Wöhlertschen Wäsche", einem Stück unbefestigten Ufers des Alten Stromes, stiegen die Vier in die Jolle und segelten an dem steifen Nordost mit gerefftem Segel und reichlich Ballast im Boot aus der "Alten Einfahrt" in den Breitling. Hier lief die Jolle vorm Wind in einer halben Stunde bis nach Krummendorf. Wiggers saß an der Pinne und steuerte die Jolle, während der Lotse das Schot im Auge hielt, um bei einer einfallenden Sturmbö sofort das Segel fieren zu können. Die Jolle kränkte beträchtlich und der Breitling trieb den Bootsinsassen seine frische Gischt ins Gesicht.Bei Krummendorf angelandet bestiegen Kinkel und Schurz das Pferdegespann, mit dem Brockelmann bereits hier wartete. In scharfem Trab ging´s nach Rostock zurück, über die Petri-Warnow-Brücke, durch die Altschmiedestraße, übers Wendländer Schilde aus dem Mühlentor wieder hinaus, ins Brockelmannsche Haus. Dort wurden die Flüchtlinge dem Hauspersonal als fremde Kaufleute namens Kaiser und Hensel vorgestellt, die soeben mit der Eisenbahn angekommen seien. Wenige Wochen vorher hatte Rostock erst seine Eisenbahnanbindung erhalten. Wiggers nahm den Weg von Krummendorf zu Fuß über Gehlsdorf, wo eine Fähre zur "Schnickmannbrücke" bestand. Er traf am Abend gegen halb Sechs bei Brockelmann ein, wo nach altmecklenburgischem Brauch bald eine üppige Siegesfeier begann.

Im Brockelmannschen Hause

Kinkel und Schurz, die Reihenfolge der Namensnennung soll keine Rückschlüsse auf die Bedeutung der beiden in der Welt aufkommen lassen, sondern ist nur dem Alter und der alphabetischen Ordnung geschuldet bezogen im 2. Stockwerk der Villa vor dem Mühlentor ein geräumiges Zimmer mit Blick auf den "Friedrich-Franz-Bahnhof" und zur anderen Seite hin über das Warnowtal.

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Bild 10 - Rostock vom Mühlendamm aus gesehen, um 1850

Brockelmanns Gattin widmete sich, mit aller schicklichen Zärtlichkeit, nun der Pflege der lädierten Hände des Freiheitsdichters, nachdem sie sich bei ihrem Hausarzt vorsorglich mit den hierzu nötigen medizinischen Praktiken vertraut gemacht hatte. Der jetzt anbrechende Sonntag war der 10.November, der Geburtstag Martin Luthers. An diesem Tag war es in Rostock üblich, dass die Stadtkapelle unter ihrem Musikdirektor Schulz vor den Häusern der Honoratioren Ständchen spielte und gegen einen Obolus Musikwünsche erfüllte. Der Brockelmannsche Werkmeister Iben hatte während der vortägigen Siegesfeier vom Aufenthalt der beiden Flüchtlinge erfahren. Er bestellte daraufhin beim Stadtmusikdirektor Schulz die Marseillaise. Ein fürchterlicher Affront im damaligen Rostock begann. Die Rostocker Stadtkapelle schmetterte die französische Freiheitshymne, die wenige Jahrzehnte vorher den Heeren der Revolution voraus schallte. Wegen der unwägbaren Risiken, die sich zeigten, die Flüchtlinge auf jener vor Warnemünde liegenden Brigg außer Landes zu bringen, entschloss sich Brockelmann, seinen im Stadthafen liegenden 40-Lasten-Schoner KLEINE ANNA seeklar zu machen und damit Schurz und Kinkel nach England übersetzen zu lassen. Das Schiff war klein, um 20 Meter zwischen den Steven, weniger als 5 Meter breit und hatte nur eine Raumtiefe von zirka 2,60 Metern. Der kleine Schoner war aber schnell zu befrachten. Kapitän Niemann wurde aus seinem Winterquartier vom Fischland geholt und Brockelmann streute in Rostock das Gerücht aus, er habe in England einen Abnehmer, der ihm auch außerhalb der Schifffahrtssaison ein einträgliches Geschäft versprach. Diese Vorsicht war auch nötig, denn die mittlerweile in Rostock eintreffenden fremden Zeitungen informierten über Kinkels Flucht. Allerdings wollten die schlauen Zeitungsschreiber Kinkel an allen möglichen Orten Mitteleuropas gesehen haben. Besonders ausführlich berichtete Pastor Dulon in dem von ihm herausgegebenen "Bremer Sonntagsblatt", wie er persönlich den dichtenden Professor auf ein Schiff gebracht hätte, das schon nach England unterwegs sei.

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Bild 11 - Takelriss eines Schoners

Es bestand in Rostock, sogar in Polizeikreisen, eine starke Antipathie gegen Preußen. Dennoch wären die Flüchtlinge festgesetzt und ausgeliefert worden, wenn die Preußen über den Großherzog Druck auf die Rostocker Polizei ausgeübt hätten. Die nächsten Tage vergingen harmonisch in Kreise der Brockelmannschen Familie und der Freunde. Bei Hausmusik und reichhaltiger mecklenburgischer Kost bekam Kinkel bald seine alte Kraft zurück. Am Donnerstag, dem 14. November, trieb ein anonymer Brief aus Strelitz die Vorbereitungen erneut eilig voran. Ein namenloser Freund berichtete von preußischen Polizeirecherchen und -verhören in der Residenzstadt. Am Freitag erschien bei Wiggers auf der Koßfelder Straße ein ihm unbekannter Mann, der sich Hensel nannte, und ganz unverblümt nach Kinkel fragte, der sich in Rostock aufhalten solle. Wiggers witterte eine Gefahr und ließ den verängstigten Hensel im Unklaren, versprach aber, sich in Rostock umhören zu wollen. Hensel erklärte, dass er in drei Tagen zurück kommen und sich Nachricht holen werde. Nach Wiggers Beschreibung des Fremden erkannten die Flüchtlinge zwar ihren treuen Freund aus der Mark, man beschloss aber, ihn bis zum Inseestechen im Unklaren zu lassen. Mittlerweile war die KLEINE ANNA so weit beladen, dass die Fracht als Ballast ausreichte und der Schoner somit seetüchtig war. Damit Kinkel und Schurz später in England auch liquide waren, stellte Brockelmann am Samstagmorgen den beiden vorsorglich Kreditbriefe aus. Noch immer blies ein steifer bis stürmischer Nordost über das Land, gegen 9 Uhr wurde das Schiff nach Warnemünde verholt. Da der Schoner, ohne aufzukreuzen, nicht aus der nach Norden verlaufenden Unterwarnow heraus segeln konnte, mietete Brockelmann einen Teil der Crew eines in Rostock überwinternden Walfängers. Die Leute schleppten mit ihrem Walfangboot die KLEINE ANNA unter Riemen nach Warnemünde. Am Nachmittag, gegen vier, kam Brockelmanns Eidam (Schwiegersohn), der Kaufmannsgehilfe Schwarz, aus Warnemünde zurück und berichtete, dass der Schoner in Warnemünde am "Rostocker Ende" festgemacht habe.

Einschiffung

Am Sonntagmorgen, es war der 17.November 1850, flaute der stürmische Nordost etwas ab, drehte auch ein wenig zurück. Ernst Brockelmann entschied: "Heute sticht der Schoner mit den beiden in See!" Folgender Plan wurde entworfen. Schwarz würde mit seinem Einspänner nach Warnemünde vorausfahren, um die Unbedenklichkeit für die Einschiffung der Flüchtlinge zu überprüfen. In günstigen Fall sollte er gegen 10 Uhr an der Südspitze des Pagenwerder, dort wo heute die Ausrüstungspier der KvaernerWarnowWerft ist, mit einer brennenden Zigarre stehen. Im entgegengesetzten Fall, wenn sich zum Beispiel Polizei auffällig für den Schoner interessierte oder gar verfängliche Fragen stellen würde, sollte Schwarz ausbleiben. Dann war geplant, dass die Boote mit den Flüchtlingen und den Rostocker Freunden abfallen und zum "Schnattermann" fahren, um von da durch die Rostocker Heide zur "Nase" (heute "Rosenort" zwischen Markgrafenheide und Graal Müritz) zu marschieren. Die KLEINE ANNA würde dann ohne die Passagiere in See gehen, vor der "Nase" dwars zum Wind lavieren und die Flüchtlinge von Strand mit dem Beiboot des Schoners übernehmen.

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Gegen 8 Uhr, es herrschte leichtes morgendliches Frostwetter, machten sich Bluhme und Wiggers zu Fuß auf den Weg in das vor Rostock gelegene Dorf Bramow. Sie wollten nicht gesehen werden, wenn die zwei martialischen Bootsbesatzungen mit Brockelmann und den Flüchtlingen im Rostocker Stadthafen in Richtung Warnemünde starteten. Gegen 9 Uhr legten, wie geplant, die beiden Boote im Stadthafen ab. Brockelmann hatte wieder die Leute des Walfängers angeheuert, die heute aber vorsorglich ihre äxte und Schlachtmesser mitführten, falls doch eine Ordnungsmacht die Einschiffung gewaltsam verhindern wollte. In Bramow stiegen Bluhme und Wiggers in eines der Boote. Nach anderthalb Stunden, schon im Breitling befindlich, sah Brockelmann weit voraus seinen Eidam fleißig an seiner Zigarre paffen. In Warnemünde war alles in Ordnung, der Schoner war bereits hinter dem Radschlepper vertäut. Brockelmann übergab Kapitän Niemann die beiden Passagiere und eine verdeckte Order, die er erst auf See öffnen durfte. Dann stieg er sofort von Bord, lud aber noch Bluhme, Schwarz und Wiggers, die unbedingt noch ein Stück mit in See hinaus wollten, um dann mit dem zurückkehrenden Schlepper wieder anzulanden, zum Siegesmahl in "Wöhlerts Gasthaus" ein. Viertel vor Elf wurden die Leinen losgemacht und der Dampfschlepper bugsierte den Schoner zwei Meilen auf See hinaus. Dort ging der Schlepper kurzzeitig längsseits, um die drei Rostocker Freunde zu übernehmen, dann schipperte er gemächlich nach Warnemünde zurück. Während die KLEINE ANNA hoch am Wind segelnd den Blicken entschwand, schmausten die Helfer dieser ungewöhnlichen Fluchtgeschichte ausgiebig in "Wöhlerts Gasthaus". Am späten Nachmittag kehrten sie auf der Unterwarnow nach Rostock zurück. Nachzutragen wäre noch, dass Hensel tatsächlich am Montag bei Wiggers erschien und endlich in den glücklichen Ausgang eingeweiht werden konnte.

Auf der KLEINEN ANNA nach England

Als sich der Schlepper mit den Freunden entfernt hatte, öffnete Kapitän Niemann die verdeckte Order. Sie beinhaltete, dass der Kapitän die beiden Passagiere nach Newcastle, oder einen anderen Hafen an der britischen Ostküste, falls es das Wetter erforderte, zu bringen habe. Bei Helsingoer müsse Niemann vorbei segeln, auf keinen Fall anlegen, der Sundzoll sollte auf der Rückreise entrichtet werden. Bei extrem ungünstigem Wind, sei das Schiff an der schwedischen Küste auf den Strand zu setzen, auf keinen Fall aber dürfe ein deutscher Hafen angelaufen werden, ehe die Passagiere nicht von Bord gegangen seien. Kopfschüttelnd nahm der alte Seebär die Order zur Kenntnis. Wenige Stunden später ging der Schoner über Stag und segelte an einer leichten Brise aus Nord auf die Insel Falster zu. Kinkel und Schurz standen am Achterschanzkleid und blickten auf die entschwindende Küste ihres Vaterlandes, die von der tief stehenden herbstlichen Abendsonne beschienen, melancholische Gedanken wachrief.

Dem Kerker oder dem Erschießungspeleton entronnen zu sein, stellte zweifellos eine erfreuliche Tatsache dar, doch das Vaterland verlassen zu müssen, mit Freunden, der vertrauten Umgebung, der Landschaft, sowie der deutschen Sprache, betrübte die beiden Flüchtlinge außerordentlich. Als es dunkel geworden war, bezogen Kinkel und Schurz ihre Kojen im Achterschiff, die den beiden Landratten äußerst eng erschienen. Man hatte kurzerhand die Steuermannskabine mit einer zweiten Koje ausgestattet und den Steuermann vorm Mast einquartiert, wo er während seiner Freiwache zwischen den Raumstützen in einer Hängematte, wie ein einfacher Matrose, schlafen musste. Neben dem Kapitän, den zwei Passagieren und dem Steuermann waren noch sechs Mann an Bord, vier Matrosen in zwei Wachen, von denen jeweils einer Ruder ging und der andere an Deck zu sein hatte, ein Smutje und ein Schiffsjunge. Es war also ziemlich eng auf der KLEINEN ANNA.

18.jpg - 26682 Bytes Bild 12 - "Kapitänsbild" eines Rostocker Schoners

Nachts ging der Schoner unter Falster nochmals über Stag und segelte dann auf den Sund zu. Offensichtlich war das spätherbstliche skandinavische Hochdruckgebiet verschwunden, aus dem in der letzten Woche bei klarem Himmel der stürmische Nordost heraus geblasen hatte. Der Herbst begann nun auch meteorologisch mit Schmuddelwetter im nördlichen Mitteleuropa des Jahres 1850. Der Wind wehte wieder stärker und schwoite um Nordwest, die Sicht wurde schlechter. Mühsam kreuzte die KLEINE ANNA nach Norden in den Sund hinein, einen ganzen Tag benötigte sie von Moens Klint bis nach Helsingoer. Kinkel wurde seekrank. Das reichhaltige und schmackhafte Proviantpaket, das Frau Brockelmann den beiden Flüchtlingen zugeteilt hatte, wurde kaum beachtet. Es wäre auch wenig geeignet gewesen, einem Seekranken frischen Lebensmut zu vermitteln.

Am Dienstag, den 19. November, morgens gegen acht passierte der Schoner Helsingoer, Kapitän Niemann hatte der dänischen Fregatte, die den Sundzoll einzuziehen hatte, signalisiert, dass er bei der Rückreise seinen Obolus entrichten wolle. Die KLEINE ANNA segelte forsch in Richtung Kattegat. Zu dieser Zeit befand sich auch das preußische Kriegsschiff AMAZONE im Oeresund. Schlechtes Wetter und geringe Sicht ließen die beiden Schiffe jedoch nicht miteinander in Sichtkontakt treten, das eine hatte von der Präsenz des anderen keine Ahnung. Die Rostocker Freunde jedoch, die von der Anwesenheit der AMAZONE im Sund aus der Zeitung Kenntnis erhalten hatten, waren höchst beunruhigt. Im Kattegat wurde es richtig stürmisch, durch die längere Windbahn und die längere Dauer des Windes baute sich eine hohe Windsee auf. Den 40-Lasten-Schoner schüttelte es kräftig durch, Kinkel lag seekrank in seiner Koje. Er ließ sich nicht mehr an Deck blicken. Die KLEINE ANNA war ein ausgezeichneter Segler, durch die langen Schläge im Kattegat kam sie noch bei Tageslicht bis in die Nähe von Kap Skagen. Hier begannen nun drei Nächte und zwei Tage mühseligen Kreuzens in und durch das Skagerak. Das bedeutete für die Seeleute eine verteufelte Schinderei in feuchten, klammen Sachen, das ölzeug der damaligen Zeit war selbstredend nicht absolut dicht, und nur mit kalter Verpflegung im Magen. Der Smutje machte bei diesem Sauwetter kein Feuer in seiner Kombüse an. So segelte die Besatzung den Schoner zwischen den bizarren Felsenküsten Schwedens und Norwegens und der flachen Dünenküste Nordjütlands hindurch in die Nordsee, immer den Wind von vorn. Die Schiffsleitung hatte im Skagerak immerhin noch die Möglichkeit anhand der Landmarken und nachts der Leuchtfeuer eine exakte terrestrische Ortsbestimmung vorzunehmen. Carl Schurz war permanent an Deck. Er ließ sich zur Sicherheit von den Matrosen am Besanmast festbinden, da ständig gewaltige Brecher über das Deck wuschen, die ihn leicht hätten ins Meer spülen können. In der Nordsee wurde das Wetter nicht besser. Kapitän Niemann äußerte mehrmals gegenüber Schurz, das sei jetzt ein ausgewachsener Sturm. Weitere sechs Tage kreuzte der Schoner bei konträrem Wind nach Westen, ohne dass einmal die Wolkendecke aufgerissen wäre. Am 22. November hatte Kapitän Niemann bei Hanstholm den letzten zuverlässigen Ort. gemacht. Nun musste er sich auf seine Koppelnavigation verlassen.

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Die Windstärken nach Admiral Beaufort

Das hieß, es wurde mittels Logleine, Kompass und Chronometer (Uhr), unter Berücksichtigung des erfahrungsgemäß verlaufenden Stromes, Kurs und Distanz berechnet und in der Seekarte abgesetzt. Kinkels Innereien hatten sich nach einigen Tagen an das Schlingern und Stampfen des kleinen Schiffen so weit gewöhnt, dass er auf Schurzens Arm gestützt an Deck erschien. Die unbändige Gewalt des tosenden Meeres beeindruckte den Freiheitsdichter in höchstem Maße. Später kam er mit einem Hymnus nieder, der das nordische Meer als den natürlichen Lebensraum der "Völker der Freiheit" (protestantisch geprägte germanisch-angelsächsische Völker) besang.Bald wurde der Kapitän unruhig. Fünf Tage mit einem bis zu 11 Knoten (20,4 km/h) laufenden Schiff blind in der wütenden Nordsee bei schlechter Sicht unterwegs sein, kann schon nervös machen.

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Nachts kam Kapitän Niemann besorgten Gesichts in die winzige Kabine seiner Passagiere und beriet sich über seiner Seekarte mit ihnen. Bei der komplizierten Rechnerei, mit Winkelfunktionen, Dreisatz und Logarithmentafeln (nota bene alles ohne Taschenrechner) vertraute er seinen studierten Gästen wohl mehr, als seiner wackeren Mannschaft. Endlich am Vormittag des 28.November riss, während einer Rückseitenwetterlage, die Wolkendecke auf und der Kapitän machte seine erste astronomische Observation der Reise mittels Sextant an der im Zenit stehenden Sonne. Das Ergebnis war befriedigend, der astronomische Ort unterschied sich nur gering von dem gekoppelten. Der Wind wehte sehr günstig aus Nordwest, man hoffte in wenigen Tagen in Newcastle festmachen zu können.

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Bild 13 - Der Blick in den Firth of Forth von Bord
der KLEINEN ANNA am Abend des 30. November 1850
links: Castle Tantallon mitte: Bass Rock rechts: North Berwick Law

Doch am nächsten Tag, am Freitag, dem 29. November, die Küste von Northumberland zeichnete sich schon am Horizont ab, sprang der Wind auf Süd und wehte nun dem Schiff als mäßige Brise entgegen. Um sich das zeitraubende Kreuzen zu ersparen fiel Kapitän Niemann ab und nahm bei achterlicher Brise Kurs auf Edinbourgh.

Am Samstagnachmittag kam der Bass Rock vor der Einfahrt in den Firth of Forth in Sicht. Jetzt legte sich der Wind, als wollte das Schicksal unsere Flüchtlinge freundschaftlich necken, es herrschte bald völlige Stille. Der Schoner dümpelte sanft in der Dünung und wiegte die beiden in den Schlaf. Am nächsten Morgen, es war Sonntag, der 1. Dezember 1850, lag die KLEINE ANNA friedlich in Leith, dem Hafen von Edinbourgh, vor Anker. Kinkel und Schurz mussten aber noch eine Nacht, die zum Montag, an Bord verbringen. Im Viktorianischen England nahm man die Sonntagsruhe bierernst, es gab in der Großstadt Edinbourgh nicht ein einziges geöffnetes Hotel oder Gasthaus, in dem die beiden sich hätten einquartieren können. Doch sie waren in Sicherheit. Das rheinisch-mecklenburgische Heldenstück hatte seinen glücklichen Abschluss gefunden.

Epilog

Wie ging`s nun mit unseren wichtigsten Protagonisten weiter? Nach einer Anfrage aus Berlin vernahm die Rostocker Polizei im Dezember 1850 Moritz Wiggers in der Ausbruchs- und Gefangenenbefreiungssache Kinkel/Schurz, aber ohne Konsequenzen für ihn. Im Mai 1853 jedoch wurde Wiggers mit einer Reihe anderer Rostocker Demokraten verhaftet und im so genannten "Rostocker Hochverratsprozess" 44 Monate in Untersuchungshaft gehalten, ehe er nach seiner Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus im Oktober 1857 begnadigt wurde. Das über ihn verhängte Berufsverbot als Anwalt und Notar blieb jedoch bestehen. Die Rostocker hinderte das aber nicht, Moritz Wiggers 1867 in den Reichstag des Norddeutschen Bundes und 1871 in den Reichstag des Deutschen Kaiserreiches zu wählen. Im Alter von 78 Jahren starb er 1894 in seiner Heimatstadt Rostock. Der Schließer Brune hatte seinen Helferlohn flugs seiner Frau zukommen lassen, die ihn auch treu verwaltete. Die Dienstbehörde war ihm schnell auf den Fersen, sein Vergehen trat klar zu Tage. Er wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Kurz vor seiner Entlassung erwarb sein treues Eheweib im Sauerland einen wunderschönen Gasthof, den die beiden, fast wie im Märchen, noch viele Jahrzehnte betrieben. Gottfried Kinkel blieb 16 Jahre lang im Exil in England, später in Frankreich, wohin er auch seine Frau nachkommen ließ. Vom Heimweh geplagt, entwickelte er sich in der Fremde immer mehr zum nationalistischen Romantiker, 1866 nahm er in Zürich eine Professur an, wo er in jenem Geiste tätig war. 1867 wurde Kinkel mit den anderen Aktivisten der 1848/49er Revolution, als nationale Versöhnungsgeste, vom Präsidenten des Norddeutschen Bundes, dem preußischen König Wilhelm I., begnadigt. Endlich durfte er nun, ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen, sein geliebtes Vaterland wieder besuchen. Er starb 1882 in Zürich. Carl Schurz hielt sich noch anderthalb Jahre in Paris und in London auf, wo er seine Studien beendete, ehe er 1852 mit seiner frisch angetrauten Gattin nach Amerika ging. In den USA beteiligte sich Schurz am Wahlkampf von Präsident Abraham Lincoln, der ihn nach seinem Wahlsieg 1860 zum Sonderbotschafter des Präsidenten machte, quasi zu einem Henry Kissinger des 19. Jahrhunderts. In jener Position bewegte Schurz 1861 Spanien im heraufziehenden amerikanischen Bürgerkrieg die Neutralität zu wahren. 1862 nahm er als Brigadegeneral der Nordstaatenarmee an den verlustreichen Kämpfen am Bulls Run teil. Nach dem für die Nordstaaten siegreichen Bürgerkrieg reiste Schurz, einen Kuraufenthalt seiner Frau in Wiesbaden zum Anlass nehmend, 1867 nach Deutschland. Er traf sich mit Bismarck, um über das Verhältnis der USA zum Norddeutschen Bund zu konferieren.

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Bild 14 - Carl-Schurz-Park am Hudson River in New York

1869 wurde Carl Schurz zum Senator des Staates Missouri gewählt und 1877 berief ihn Präsident Hayes für eine Legislaturperiode zum Innenminister der USA. Hoch angesehen wirkte unser Protagonist als Journalist im Mittelwesten und später in New York bis zu seinem Tode am 14. Mai 1906, im Sinne seiner freiheitlichen Geisteshaltung.

Danksagungen, Abbildungsnachweis und Impressum

Wir danken für die freundliche Unterstützung insbesondere dem Kulturamt der Hansestadt Rostock und seinem Leiter, Herrn Lutz Nöh, dem Archiv der Hansestadt Rostock, dem Karbe-Wagner-Archiv in Neustrelitz und dessen Leiterin, Frau Gundula Tschepego, dem Archiv beim Stadtgeschichtlichen Museum Spandau, dem Schifffahrtsmuseum der Hansestadt Rostock, dem Landesinstitut für Schule und Ausbildung Mecklenburg-Vorpommern, ganz besonders Herrn Hammer und Herrn Finze.


Abbildungsnachweis:
  • Archiv der Hansestadt Rostock Abb. 1,2,4,8,9
  • Karbe-Wagner-Archiv Abb. 3
  • Stadtgeschichtliches Museum Spandau Abb. 7
  • Schifffahrtsmuseum der Hansestadt Rostock Abb. 12
  • Blos, Wilhelm, Die deutsche Revolution 1848/49, (1892) Abb. 6
  • Verlag Tiedemann Abb. 10
  • Archiv und Eigenproduktion des Autors Abb. 5, 11, 14,15 sowie Karten und Flurpläne



Impressum:

Klaus Müller, Von Rostock in die Freiheit
Herausgeber: Volkskulturinstitut Mecklenburg und Vorpommern im Kulturbund e.V.
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